marcus
25.07.13

Gedächtnistraining für das Gehirn nutzlos

Der Leiter des Lehrstuhls für Neuropsychologie an der Universität Zürich, Lutz Jäncke, hält  nichts von Gedächtnistraining oder auch "Gehirnjogging", da der praktische Wert für das Gehirn zu gering sei.

In einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung erklärt der Wissenschaftler, wieso er von Gedächtnistrainings, zum Beispiel am Computer, nicht viel hält. Die Zeit, die man in solche Trainings steckt, wäre auf anderen Gebieten, z.B. Musizieren, Kreutzworträtsel oder Sachbücher lesen, besser investiert.

Training hilft nur sehr begrenzt

Eine Zeit lang waren Computerspiele, mit deren Hilfe man seine Gedächtnisleistung trainieren kann, äußerst beliebt. Mittlerweile ist der Trend etwas abgeflacht, aber noch lange nicht vorbei. Trainiert werden in solchen Spielen verschiedene Fähigkeiten, die z.B. mit Bildern, Texten oder Zahlen zu tun haben. Laut Lutz Jäncke ist es auch tatsächlich möglich,  die Gehirnleistung in eben diesen Gebieten zu trainieren und zu steigern. Allerdings ist fraglich, ob diese Leistung auch auf andere Gebiete transferiert werden kann. Untersuchungen haben nun ergeben, dass eben dies nicht der Fall ist. Wer also tägliches Gehirnjogging am Nintendo vollbringt, kann nicht damit rechnen, deshalb generell besser für andere Alltagsaufgaben gerüstet zu sein. Allerhöchstens wäre es möglich, dass zum Beispiel das Merken von Zahlenfolgen einen positiven Effekt auf die Fähigkeit hat, sich Wörter zu merken, da dies eine ähnliche Funktion ist. Übertragungen der Effekte auf gänzlich unterschiedliche Bereiche sind quasi nicht beobachtet worden.

Fit ins Alter - aber wie?

Ein Grund, warum "Gehirnjogging" so beliebt ist, sei laut Lutz Jäncke die Angst vor dem Gedächtnisverlust im Alter. Allerdings gäbe es viel bessere und wirkungsvollere Methoden, um diesem entgegenzuwirken. Musizieren z.B. ist sehr gut geeignet, um sein Gehirn auf "spielerische" Art zu fordern und fit zu halten. Bei Musikern lässt sich sogar feststellen, wie sich das Gehirn durch diese Tätigkeit anatomisch verändert. Weitere Möglichkeiten für geistiges Training seien Dinge wie Kreutzworträtsel lösen, Sachbücher lesen, Schach oder eine Sprache lernen oder auch einen Tanzkurs zu machen. Es scheint also viel besser ein Training zu wählen, welches man auch im Alltag nutzen kann.

Neben dem geistigen Training gibt es aber noch zwei weitere Punkte, die wichtig sind, wenn man bis ins hohe Alter ein gut funktionierendes Gehirn haben möchte. 

Körperliche Bewegung

Ein wichtiger Bestandteil ist körperliche Bewegung, was auch nicht weiter verwunderlich ist. Sport fördert die Durchblutung im Körper und reguliert den Blutdruck. So ist eine gute Versorgung auch im Gerhirn gewährleistet. Auf diesem Gebiet ist für jeden das richtige dabei, egal ob man nur spazieren geht oder Extremsport betreibt. 

Soziale Kontakte

Dieser Punkt geht in vielen Fällen schon mit körperlicher Betätigung einher, vor allem dann wenn man Mannschaftssportarten betreibt oder andere Team- oder Partnerorientierte Sport- oder Bewegungsarten betreibt. Doch auch außerhalb von schweißtreibenden Aktivitäten sind soziale Kontakte, oder anders gesagt "Soziale Netzwerke" sehr wichtig. Die wohltuenden Eigenschaften von Freundschaften und anderen positiven Bekanntschaften scheinen einen direkten Einfluss auf die Gehirnleistung im fortgeschrittenen Alter zu haben.
Ideal ist eine Mischung aus körperlicher Bewegung, sozialen Kontakten und geistigen Dingen wie musizieren oder Sprachen lernen.

Egal in welchem Alter wir sind, ein gut funktionierendes Gehirn bildet die Basis jeglichen handelns. Egal ob privat oder im Berufsleben, ein klarer Kopf hilft dabei die richtigen Entscheidungen zu treffen. Und anstatt stupide irgendein Computerspiel zu spielen, hält das Leben die unterschiedlichsten Möglichkeiten bereit, um sich effektiv zu "trainieren" und dabei auch noch Spass und einen direkten Nutzen zu haben. Wenn wir uns dann noch mit Menschen umgeben, die uns mögen und mit denen wir uns gut verstehen, dann steht einem tollen Leben und spitzenmäßiger Gehirnleistung nichts mehr im Weg.

Quelle: Süddeutsche.de

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