marcus
06.06.13

Deutschland: Laut MINT-Frühjahrsbericht drohender Fachkräftemangel

Laut dem aktuellen MINT-Frühjahrsbericht des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln, steuert Deutschland im Bereich Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik (MINT) auf einen Fachkräftemangel zu.

Bereits in wenigen Jahren könnten in diesem Bereich über eine Million Facharbeiter fehlen. War dieses Problem bis vor Kurzem noch im akademischen Sektor dieses Bereichs vorhanden, wendet sich das Blatt nun: Immer mehr junge Menschen absolvieren MINT-Studiengänge, innerhalb von zehn Jahren hat sich die Zahl der jährlichen Absolventen um mehr als 70.000 auf 190.000 gesteigert. Zwar sei auch die Anzahl der Menschen gestiegen, die einen Ausbildungsberuf im MINT-Sektor ergreifen, doch würden gerade in diesem Bereich die Folgen des demografischen Wandels in Zukunft stark zum Tragen kommen.

Der demografische Wandel

Durch die großen Erfolge bei der Gewinnung von Studienanwärtern wird der Bedarf an Akademikern bis zum Jahr 2020 in etwa gestillt sein. Bei den Ausbildungsberufen zeichnet sich jedoch ein anderes Bild. Ohne Gegenmaßnahmen würden bis dahin etwa 1,4 Millionen MINT-Fachkräfte fehlen. Viele momentan noch berufstätige Menschen scheiden aus dem Berufsleben aus und gehen in Rente, aber es kommen nicht genügend neue Fachkräfte nach, um den Ersatzbedarf zu decken.

Das Problem ist, dass Deutschland, genau in seinem stärksten Bereich, in Zukunft die notwendigen Innovatoren fehlen könnten. Die Kernbranchen unseres Heimatlands beschäftigen einen nicht unerheblichen Anteil der MINT-Arbeitskräfte und ohne diese Menschen, die dieser Industrie ihren Verstand, ihr Wissen und Know-How, also ihre Arbeitskraft zur Verfügung stellen, fehlt den Betrieben ihr wichtigstes Gut. 

Was ist zu tun?

In welche Richtung sollte nun die Anstrengung unserer Kräfte laut des Berichts gehen? Wichtig sei es vor allem, das Interesse  junger Menschen in die Richtung dieser Berufe zu lenken. Durch verstärkte Werbung könnte genauso wie bereits zuvor im akademischen Sektor, die Zahl der Absolventen gesteigert werden. Die Berufsausbildung und die Arbeitswelt im MINT-Bereich muss für potentielle Interessenten attraktiver dargestellt und auch gestaltet werden.
Ein Anhaltspunkt, um kurzfristig die Auswirkungen des Fachkräftemangels zu kompensieren, wäre es, Erwerbstätige wenigstens ein Jahr länger im Berufsleben zu halten. Auch die Frauenbeschäftigung in diesem Bereich sollte erhöht werden, da Frauen mit Familienverantwortung immer mehr dazu übergingen, Teilzeit-Arbeitsverhältnisse aufzunehmen. Zusätzliche Verbesserungen im Zuwanderungsrecht würden es ausländischen Arbeitnehmern erleichtern, in Deutschland die Arbeit aufzunehmen.
Des Weiteren gibt es in Deutschland rund 1,48 Millionen junge Menschen zwischen 20 und 29 Jahren, die über keine oder nur geringe Berufsqualifikation verfügen. Über entsprechende Weiterbildungsmaßnahmen könnte diesen der Zugang zum MINT-Segment ermöglicht werden. Durch klarere Information über Qualifizierungs- und Fördermöglichkeiten, bessere Dokumentation von informellen Kompetenzen, die Stärkung von trägergestützter Qualifizierung und modularen Angeboten für Berufsausbildung könnte dies erreicht werden.

Neue Perspektiven

Deutschland wird in den nächsten Jahren vor einigen Herausforderungen stehen. Der demografische Wandel macht sich in allen Bereichen, Ebenen und Gesellschaftsschichten bemerkbar. Veränderte soziale Strukturen und Orientierungslosigkeit führen dazu, dass viele Jugendliche den auf sie zukommenden Herausforderungen nicht mehr gewachsen sind. Meist werden sie dann als unfähig stigmatisiert, sie brächten "ohnehin nichts auf die Reihe". Dabei ist es ohne Zweifel möglich, viele der Heranwachsenden zu begeistern und mit Hilfe gezielter Fördermaßnahmen sowohl für ihr Privat- als auch Berufsleben fit zu machen und ihnen so neue Perspektiven zu eröffnen.

Es ist nicht eine besondere Maßnahme, die dem Fachkräftemangel entgegenwirken kann. Es ist eine Vielzahl von kleinen und großen Dingen, die alle miteinander zum Ziel führen und Deutschland die Fachkräfte zuführen können, die benötigt werden.

Quelle: Institut der deutschen Wirtschaft Köln

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