marcus
08.07.13

Der Abhörskandal um PRISM und Tempora und das menschliche Vertrauen

Obwohl der Abhörskandal um PRISM und Tempora bereits wieder einige Tage alt ist, kommen die Medien darüber nicht zur Ruhe. Fast täglich werden weitere Länder ins Spiel gebracht. Die Frage stellt sich, wo das Vertrauen der Menschen abhanden gekommen ist.

Etwa zwei Wochen ist es mittlwerweile her, dass Barack Obama Berlin besucht hat. Bei der Gelegenheit muss ihn unsere Bundeskanzlerin Angela Merkel wohl auch auf die Abhörpraktiken der NSA angesprochen haben. Das Gespräch über PRISM soll zwar offen gewesen sein, dennoch scheinen wichtige Details nicht geklärt worden zu sein. Sie sollen nun noch nachgefordert werden. Die Katze war kaum aus dem Sack, da kam schon die nächste Meldung über die Briten mit ihrem Abhörprogramm "Tempora", dessen Ausmaße dem Programm der Amerikaner in nichts nachstehen soll. Ganz neu sind nun die Franzosen im Gespräch, die laut der Tageszeitung "Le Monde" ihre eigenen Bürger abgehört haben sollen, noch dazu ohne rechtliche Grundlage. Dies wird zwar von offizieller Seite dementiert, war jedoch bei PRISM vor Veröffentlichung von geheimen Unterlagen durch den "Whistleblower" Edward Snowden, ebenso der Fall.
Wie der deutsche Bundesnachrichtendienst (BND) arbeitet, lässt sich nur vermuten, angeblich werden Daten von Deutschen jedoch nicht gespeichert. 

Es drängt sich der Verdacht auf, dass die Enthüllungen nur die Spitze des Eisbergs darstellen könnten. So wie es momentan aussieht, hört jeder jeden ab, der eine mehr und der andere weniger. Natürlich, so wird es zumindest offiziell dargestellt, dienen sämtliche gesammelten Daten vorrangig dem Zweck der Verbrechensbekämpfung. Allerdings scheinen, wie im aktuellen Fall von PRISM und Tempora, auch Regierungsstellen betroffen zu sein, die wohl kaum terroristischen Gruppierungen zugeordnet werden können.
Wenn sich "befreundete" Staaten nun gegenseitig abhören, könnte man dies, wie von einigen Politikern auch so schon ausgedrückt, ohne weiteres als Vertrauensbruch bezeichnen. Die Frage stellt sich, wie groß das Vertrauen von vorneherein gewesen ist. Getreu dem Motto "Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser" oder auch "Wer den Frieden will, muss für den Krieg rüsten", handeln die Staaten entsprechend dem Prinzip Sicherheit und überlassen nichts dem Zufall. Lieber riskiert man die ein oder andere Verstimmtheit in der "Freundschaft".

Dabei ist Vertrauen eines der ersten Dinge, die ein Mensch in seinem Leben besitzt. Primär hat jedes Kind die Anlage, um Vertrauen zu können und kann dieses bei liebevollem Umgang auch stärken. Zumindest bis zu jenem Tag, an dem das Vertrauen das erste Mal missbraucht wird.

Ohne Vertrauen kann keine Beziehung dieser Welt dauerhaft existieren, egal, ob es sich um eine Partnerschaft oder eine Freundschaft handelt. Menschen, die nicht vertrauen können, sind meist eifersüchtig und oft einsam, weil sie eher schwierige Zeitgenossen sind. Ist den Menschen unserer Zeit die Informationsflut zum Verhängnis geworden? Wer braucht bei all den "Fakten" , die jederzeit und überall zugänglich sind, noch Vertrauen? Unsere Politiker, denen wir bei jeder Wahl aufs Neue vertrauen sollen, haben, wie es scheint, das ihre bereits verloren. 

Natürlich ist es utopisch, jedem Menschen sein Vertrauen zu schenken. Man kann ja doch nicht hineinsehen, mit wem man es denn zu tun hat. So gesehen ist auch das Verhalten der Geheimdienste bis zu einem gewissen Grad verständlich. Immerhin sollen auch in Deutschland bereits terroristische Straftaten, mit Hilfe von Daten der NSA, verhindert worden sein. Dennoch würde den Menschen unserer Zeit etwas mehr  Vertrauen mit Sicherheit gut tun. Wohl dem, der gute Freunde und Familie hat, denen er vertrauen darf.

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